Das Thema „Becherlinge“ beschäftigt mich schon eine ganze Weile. Nachdem ich an der HS für Kunst und Design Halle Burg Giebichenstein in verschiedensten Silberschmiedetechniken und neu erfundenen Verfahren große Körper aus feinsten Blechen zu Broschen und Halsschmuck gefügt habe, bin ich später dem Wachs verfallen. Wachs ist ein ganz spezielles Material, weich und schnell zerdrückt, wenn man nicht aufpasst. Aber auch aus Wachs lassen sich zarte Körper formen. Doch der Eindruck, den diese Arbeiten hinterlassen ist so ganz anders als die gestrafften Silberschmiedearbeiten: organisch, weich, wie gewachsen. Das ist der „Becherling“, so genannt nach diesen kleinen Pilzen, die an trüben Herbsttagen so unvergleichlich in orange leuchten. Die Farbe, oder besser gesagt der Kunststoff, ist die sinnliche Ergänzung zu meinen Formen. Farbe zieht magisch an, Farbe signalisiert, Farbe dient der Kennzeichnung aber auch der Abgrenzung. Im Fall der „Becherlinge“ ergibt sich eine Farbhöhle, ein polierter Hohlraum, eine negative Perle. Und manchmal sind dem Schutz des Bechers nicht nur Farbe sondern auch Perlen anvertraut, die im Kunststoff festsitzen.
Alle diese Becher werden von Hand in Wachs geformt, wieder zerschnitten, zusammengesetzt, ineinander verschachtelt, in Flächen oder Linien kombiniert. Meine Fingerabdrücke auf der Rückseite der Becher sind sichtbare Spuren dieser Arbeit und zeugen besser als jeder Stempel vom Unikatcharakter des Stückes.
Es entstehen vorwiegend Ringe und Ohrringe, mal klein und zart, zurückhaltend, dann wieder groß, stark farbig oder voluminös. Eines ist aber immer gleich: alle Arbeitsspuren, ob Fingerabdrücke, Wachskleckse oder Schmelzpunkte, nach dem Guss werden diese Elemente nicht getilgt – Arbeitsprozess und Form bilden eine Einheit.